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Alaska - oder wie ich die Wildnis lieben lernte

Es war ein großer Traum, spätestens nach dem Film "Into the wild", der zu meinen Lieblingsfilmen zählt: Einmal nach Alaska. Dass ich mit diesem Wunsch allerdings nicht dem Reiszielinteresse der breiten Masse entsprach, merkte ich schnell. Spätestens dann nämlich, als es darum ging, Reiseanbieter mit dem Ziel Alaska zu suchen. Es schien so, als ob ein solcher Urlaub lediglich Touristen jenseits der 60 oder mit dickem, fetten Geldbeutel (darauf komme ich noch zu sprechen) vorbehalten sei. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich so schnell nicht aufgebe, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe. Zumindest in meiner Schwester hatte ich schnell eine Mitstreiterin gefunden und gemeinsam machten wir uns an die Recherche. Da ich schon aus meinen zahlreichen Reisen in Schottland sehr gute Erfahrungen mit Reiseanbietern vor Ort gemacht hatte, lag die Idee nahe, einen amerikanischen Veranstalter zu suchen. Das Internet spuckte dann auch entsprechende Agenturen aus, die sich sogar auf jüngere Reiseteilnehmer mit entsprechend kleinerem Budget spezialisiert haben. Unsere Wahl fiel schließlich auf "Trek America", die Reisen für junge Leute zwischen 18 und 38 Jahren anbieten, die größeren Wert auf Abenteuer, als auf Komfort legen. Gesagt, getan, äh gebucht.


Ende August ging sie dann los, unsere große Reise in den hohen Norden Amerikas. Die Flugdauer ist übrigens mit 10 Stunden überraschend kurz, da man über den Nordpol fliegt. Im Sommer gibt es auch Direktflüge mit Condor. Also alles recht komfortabel und ohne großen Aufwand, also gemessen an dem Reiseziel.


In Amerika angekommen mussten wir uns zunächst der Einreiseprozedur unterziehen, die relativ viel Geduld erfordert. Foto, Fingerabdrücke, Esta und auch die Fragen nach dem Zweck und Ziel der Reise entspringen nicht einzig und allein dem freundlichen Wesen der amerikanischen Passkontrolleuren. Wobei, mal ehrlich, sie sind schon nett, diese Amis. In den Geschmack dieser Offenheit und Freundlichkeit sind Viola und ich dann auch gleich gekommen, als wir mit dem Bus (der sage und schreibe alle halbe Stunde fährt.. Woooah!!!) in Richtung "Downtown Anchorage" gefahren sind, um unser Hostel zu beziehen. Am Ende hat sich wirklich der komplette Bus nebst Fahrerin darum bemüht, uns den richtigen Weg zum Hostel zu weisen.


Da waren wir nun. In Anchorage/Alaska. Zehn Stunden Zeitverschiebung und strahlender Sonnenschein. Soviel zum Thema Erwartungshaltung. Die ersten drei Tage haben wir damit verbracht, uns Anchorage näher anzuschauen. Dabei waren wir vordergründig zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Beides keine typischen Arten der Fortbewegung in Amerika, aber wir kamen zurecht. Auch wenn man keinen Zeitangaben für Fußwege trauen sollte, die von einem Amerikaner kommen. Ein "20-minutes-walk" wurde dann schnell mal zu einem "one-hour-walk". Aber woher sollte es der gute Mann auch wissen, er hat die Strecke wahrscheinlich noch nie zu Fuß bezwungen. However.
Ein großes Highlight der ersten Tage war die Besteigung des "Flattop Mountains", einem Berg vor den Toren der Stadt. Die Art und Weise, wie meine Schwester und ich im Anbetracht fehlender öffentlicher Verkehrsmittel dort hingekommen sind, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Nur soviel sei gesagt: Man muss kreativ sein und auf die amerikanische Freundlichkeit bauen. Beides hat dann zum Erfolg geführt. Und der Blick nach dem vielleicht zweistündigen Aufstieg, der am Schluss dann doch eher zur Klettertour wurde, war alles wert. Atemberaubend trifft es nicht im Entferntesten..


Nachdem wir die ersten drei Tage genutzt hatten, um uns zu akklimatisieren, ging es dann sonntags auch schon los mit unserer Tour. Neben uns waren die anderen Teilnehmer überwiegend aus UK, wir hatten außerdem eine Spanierin und neben dem Guide einen weiteren Amerikaner an Bord. Grundsätzlich hatten wir, glaub ich, ziemlich Glück mit der Gruppe, weil es alles in allem doch recht gut harmoniert hat und wir viel Spaß miteinander hatten. Das ist nicht von unerheblicher Bedeutung gewesen, denn gerade die ersten Nächte haben wir immer in Mehrbettzimmern verbracht. Da muss man sich dann schon miteinander arrangieren, soviel steht fest. Aber wie gesagt, das hat ja alles ganz gut geklappt.
Unsere erste Reiseetappe führte und auf die Halbinsel Kenai und dort erst nach Homer, dann nach Seward und zuletzt nach Hope. Die atemberaubende Landschaft, die uns im Nationalpark rund um Seward bezaubert hat, war mein persönliches Highlight dieser ersten Tage. Wir wanderten bspw. bei strahlendem Sonnenschein zu einem Gletscher, machten eine Schifffahrt zu einem weiteren, tranken Cocktails auf Gletschereis und lernten die Feierlaune der Einheimischen abends im Pub kennen.


Der weitere Weg führte uns in den Denali-Nationalpark, der einfach nur der Hammer ist. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Die Landschaft, in die ersten Herbstfarben getaucht, besticht mit ihrer Weite und ihrer rauen Schönheit. Auch der Mount McKinley tat uns den Gefallen, sich am zweiten Tag ohne sein schützendes Wolkenkleid zu präsentieren.. Ebenfalls wieder im strahlendem Sonnenlicht (merkt ihr was? Die Assoziation von Regen und Schnee mit Alaska hinkt zuweilen, auch wenn wir beides im Rahmen unseres Urlaubs hatten, also Regen und Schnee). In Denali haben wir sie auch endlich gesehen, in freier Wildbahn, direkt neben der "Straße".. Die Bären, von denen es laut Reiseführer in Alaska mehr geben soll als Einwohner. Und gar nicht gestört haben sie sich an uns. Einfach genüsslich weitergemampft. Jaaaaa, Wildlife.. Das ist ja echt so ein Thema in diesem Land. Alles mögliche haben wir gesehen: Buckelwale (so toll), Belugas (ebenfalls toll), Otter (Stichwort für Viola..), Seelöwen, Elche, Caribous, Weißkopfadler und hast Du nicht gesehen. Das war mächtig beeindruckend und macht meiner Meinung nach einen großen Teil des Reizes dieses wahnsinnig schönen Alaskas aus.

Übrigens hat die ganze Reisegruppe in Denali auch erfolgreich die Prüfung zum "Junior Parkranger" absolviert. Wir haben uns aber auch ziemlich angestrengt, mussten Fragen beantworten, Tiere zeichnen und am Ende sogar einen Schwur leisten. Spaß hat es gemacht und stolz wie Oskar waren wir, dass wir die Aufgaben bewältigen konnten, die ansonsten 12jährigen Kindern den Kopf zerbrechen.. ;-)


Nachdem wir Denali in seiner ganzen Pracht genossen hatten, führte uns unser Weg weiter nach McLaren. Ebenfalls wieder eingesäumt von einer wahnsinnig schönen Natur, kaum unterbrochen von Ortschaften und befestigte Straßen gab es erst recht nicht. So rumpelten wir unserem Etappenziel entgegen, sangen im Bus lauthals zu "F***k her gently" mit und waren ganz verzückt von der Hundemeute, die uns in der Lodge begrüßte, die unser Nachtquartier darstellte. Hunde trifft man übrigens zu Hauf in Alaska, was vor allem mich natürlich unwahrscheinlich erfreut hat.


Das letzte Ziel unserer Rundreise war dann McCarthy. Spätestens hier waren wir dann in der absoluten Wildnis angelangt. Man kann den Ort, der aus vielleicht 5 Häusern besteht, nicht über die "Straße" erreichen, da nur eine Fußgängerbrücke dorthin führt. So haben wir uns von dem hoteleigenen Shuttle chauffieren lassen. Strom kam aus dem Generator und auch fließendes Wasser in Form von Duschen war den Touristen vorenthalten. Die "Einheimischen" waschen sich einmal die Woche im Rahmen eines großen Saunaabends. Back to the roots bekommt da eine völlig neue und handfeste Bedeutung würde ich sagen. Im Rahmen dieses Aufenthalts haben wir einen Gletscher bewandert (ausgerüstet mit entsprechenden Spikes an den Schuhen), anlässlich des Labor-Days Bier am Lagerfeuer getrunken und versucht, die Nordlichter herbei zu wünschen. Letzteres ist leider nicht wirklich geglückt.


Der Abschied von der Gruppe fiel dann tatsächlich schwer. Zehn Tage Wildnis oder zumindest Fast-Wildnis schweißt zusammen Viola und ich hatten dann nochmal zwei Tage in Anchorage, wo wir auf eine "alte" Studienkollegin von Viola trafen, die momentan in Alaska lebt und arbeitet (die Glückliche). Wir nutzen die Zeit, um den State Park vor den Toren der Stadt zu erwandern (dieses Mal mit Mietwagen ausgerüstet, was den Hinweg extrem erleichtert hat), selbstgemachtes Eis zu essen und zum letzten Mal die Weite, Schönheit und Unberührtheit der Natur in uns aufzunehmen.
Kaum zuvor ist mir ein Abschied von einem Land so schwer gefallen, wie in Alaska. Wenn es nach mir gegangen wäre, ich wäre geblieben. Ohne Flachs jetzt, es war einfach nur toll!

Wie versprochen möchte ich zuletzt noch einige Rahmeninformationen geben:
1.) Alaska ist teuer. Angefangen von Lebensmittel, über Kleidung hin zu Freizeitaktivitäten. Der Geldbeutel leidet. Aber Leute, das ist es wert! Believe in me!
2.) Die Männerwelt kann sich sehen lassen. Das sind wenigstens noch echt Männer, mit Muckis, Bärten, langen Haaren und Holzfällerhemden. Der weibliche Anteil der Reisegruppe (3/4 der Reisegruppe) war auf jeden Fall angetan.. Zurecht, wenn ihr mich fragt!
3.) Das Essen ist die Katastrophe, zumindest außerhalb von Anchorage. Welcome to America, sage ich nur. Meine vegane Ernährung konnte ich vor allem in der Wildnis nicht vollständig aufrechterhalten. Wobei ich da schon froh war, mich vegetarisch ernähren zu können. Mein größter Freund während der 14 Tage: Hummus!
4.) Wir hatten z.T. wirklich Respekt vor Bären, wenn wir durch die Wälder und auf den Bergen umhergewandert sind. Ich weiß nicht, inwieweit das typisch Touri ist, aber ich denke, den Grundrespekt sollte man nicht verlieren. Es passiert wohl nach Aussage der Einheimischen selten etwas, aber wenn Bär auf Mensch trifft, geht das meistens für den Menschen nicht so gut aus. Als Rahmenregel gilt deshalb, sich immer bemerkbar zu machen, in Gruppen unterwegs zu sein und keine Nahrungsmittel offen herumliegen zu lassen. Außerdem kann man sich mit einer "Bearbell" oder einem Abwehrspray ausrüsten. Gerade letzteres sollte man jedoch anzuwenden wissen, sonst kann das im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen.
5.) Last but not least: Alaska ist eine Reise wert! So was von! Ich bin beeindruckt, berauscht, fasziniert, verliebt.. Und eines steht fest. Es war nicht mein "letztes Mal". See you soon!

2 Kommentare 23.9.14 21:24, kommentieren

Die Sache mit der Unverbindlichkeit.. oder: antworte ich heute nicht, antworte ich morgen auch nicht

Kennt ihr das? Ihr schreibt eine E-Mail, What's-App-Nachricht, eine SMS oder was auch immer und was passiert? NICHTS.. NADA.. GAR NIX. Mir fällt dieses Verhalten momentan in sämtlichen Lebenslagen auf: Da verschickt man eine Bewerbung per Mail, erhält weder eine Empfangsbestätigung, noch kommt sonst irgendeine Form der Reaktion oder Rückmeldung. Dass es mit der Stelle dann wohl nicht geklappt hat, das kann man sich nach vier Wochen Schweigen an einer Hand abzählen. Wirklich Bescheid bekommt man nicht, oder erst nach Wochen, in denen man fast schon vergessen hatte, sich bei der Institution überhaupt beworben zu haben.

Andere Situation, selbes Phänomen: Man schreibt einen potentiellen Vermieter an und bittet um einen Wohnungsbesichtigungstermin. Dann beginnt man mit Warten. Nach drei, vier, fünf Tagen ist dann klar, dass die Wohnung allem Anschein nach anderweitig vergeben worden ist. Vielen Dank auch.

Aber nicht nur bei solchen formellen Begebenheiten werde ich mit Schweigen konfrontiert. Die getippte Nachricht bei Facebook bleibt häufig genauso unkommentiert wie die kurze Mitteilung in What's App. Und ich spreche hier von Kommunikationsversuchen, die eine Frage beinhalten oder sonstige Arten der Reaktion implizieren.. würden.. Glücklicher Weise betrifft das nicht alle Personen in meiner Freundesliste. Danke an dieser Stelle an alle, die immer brav antworten! :-*

Ich weiß nicht, ob ich das gerade alles überbewerte, aber solche Erfahrungen häufen sich bei mir zurzeit gewaltig. Privat und formell. Alles kein Beinbruch, ist schon klar, aber doch sehr ärgerlich. Denn man wird durch solche fehlenden Reaktionen fast dazu gezwungen, zum Wahrsager  zu werden: "Wenn ich jetzt nach zwei Wochen nichts gehört habe, dann bedeutet das doch sicher, dass..!!!???" Letzten Endes habe ich keine Ahnung, warum sich der potentielle Arbeitgeber, Vermieter, Bekannte aus der Freundesliste nicht meldet. Aber ich werde damit in eine Situation gebracht, in der ich Dinge hinterfrage, die wahrscheinlich gar nicht hinterfragt werden müssten. Oder in der ich meine Geduld auf den Prüfstand bringen muss und ich gehöre nun mal nicht zu den geduldigsten Menschen. 

Einseitige Kommunikation ist auf den ersten Blick keine wirkliche Kommunikation. Allerdings sagte bereits Watzlawick treffend, dass man nicht nicht kommunizieren könne. Demnach ist Schweigen auch eine Form der Kommunikation. Allerdings: Eine sehr ablehnende, wenig respektvolle und in meinen Augen sehr unangenehme Form.

Das scheint dann der Nachteil zu sein des "Jeder ist ständig, jederzeit und überall erreichbar". Denn allem Anschein nach führt das zu einer Informationflut, welche die Bedeutung der einzelnen Nachricht beachtlich schmälert. Auch die Halbwertszeit einer Mitteilung schrumpft dadurch gegen Null. Denn durch die schnellen Wege ist eine umgehende Antwort der Regelfall. Bleibt diese zwei, drei Tage aus, muss man damit rechnen, überhaupt keine mehr zu bekommen. Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit bleiben auf der Strecke.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein großer Freund der elektronischen Kommunikation. Ich bin aber auch ein großer Freund des Dialogs, welcher, so meine Erfahrung, leider immer mehr in Richtung Monolog verkommt. Traurig, aber wahr. 

3 Kommentare 11.3.14 15:58, kommentieren