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Farbe unter der Haut.. oder die Sucht nach mehr

Bis ich mein erstes Tattoo mein eigen nennen durfte, musste ich das 18. Lebensjahr vollenden. Meine Eltern waren da nicht zu erweichen: Nein zu Piercings und nein zu Farbe unter der Haut. Nun ja, vielleicht war das auch besser so. Ich erinnere mich an eine Mitschülerin, die sich in der neunten Klasse einen Comic-Alien hat tätowieren lassen. Süß sicherlich für eine 16Jährige, aber man und frau wird ja auch mal älter. Von daher ist das sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung meiner Eltern gewesen, da ein rigoroses Verbot auszusprechen.

Aber dann wurde ich ja volljährig und wie heißt es so schön? Wehe, wenn sie losgelassen. Das erste Tattoo ließ auch nicht lange auf sich warten: Ein Tribal auf dem Schulterblatt. Meine Mama hat mich damals noch begleitet bei dem Termin. Mensch, was war ich aufgeregt. Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde und wie der Schmerz sein würde und überhaupt. Aber eine Indianerin lässt sich ja eh nichts anmerken, oder wie war das? Heute weiß ich, dass das Schulterblatt zu einer relativ schmerzarmen Region gehört, von daher war das für das erste Mal sicherlich keine schlechte Wahl.

Bei einem ist es jedoch nicht geblieben, schnell sollte ein zweites her. Dennoch ließ ich einige Monate ins Land ziehen. Ein Steißtattoo sollte es werden, im keltlischen Stil bitte, um meine Vorliebe für Schottland und das Keltentum zum Ausdruck zu bringen. Ich weiß, ich weiß, das sogenannte Arschgeweih hat seinen Ruf weg. Aber wisst ihr was? Erstens ist mir das egal, zweitens gefällt es mir nach wie vor und drittens hat mich zu der Tattoosession ein damalig guter Freund begleitet, der nur wenige Monate später ganz unvermittelt verstorben ist. Das Tattoo wird mich also immer an diesen Menschen erinnern und ist alleine schon deswegen etwas ganz Besonderes für mich.

Zu Beginn war meine Motivlage für die Tattoos ganz klar dem Aspekt der Verschönerung geschuldet. Das änderte sich jedoch im Laufe der Zeit. Auf einmal standen die Tattoos mit bestimmten Lebensereignissen in Verbindung. So habe ich beispielsweise meiner ersten Hündin, die 18 Jahre alt wurde und deren Tod mich schwer getroffen hat, eine Erinnerungstätowierung gewidmet. Auch eine schwierige und schmerzhafte Trennung wurde durch den Körperschmuck verarbeitet. Mein Körper als Spiegel der Seele quasi, metaphorisch und sinngemäß gesprochen. Meine Tattoos haben dadurch eine tiefe Bedeutung für mich und sind weit mehr als eine optische Verschönerung (oder Verschandelung, je nach Sichtweise).

Das mit den Tattoos ist so eine Sache.. Einmal angefangen, kommt man kaum mehr davon los. Zumindest ist das bei dem Großteil meiner Bekannten, die ebenfalls der Sucht erlegen sind, der Fall. Wobei, ganz ehrlich, wäre mein Fußtattoo (eine bunte Lotusblüte) mein erstes gewesen, ich hätte mir ernsthaft überlegt, damit weiterzumachen. Denn so wenig schmerzhaft das Schulterblatt ist, so eklig ist das Tätowieren des Fußes. Da hieß es Zähne zusammenbeißen und durch. Und so größer war die Freude, wenn es endlich abgeheilt war, der Fuß wieder abgeschwollen ist und man nicht länger durch die Gegend humpeln musste und gefragt wurde, ob man einen Unfall gehabt habe.

Trotz meiner Begeisterung für den Körperkult habe ich für mich übrigens geschmackliche Grenzen. Über und über zugetackert ist nicht so mein Fall. Da kommt das einzelne Motiv meines Erachtens nicht mehr zur Geltung. Und was gar nicht geht in meinen Augen sind Gesichtstattoos, insofern man nicht selbst Tätowierer ist oder im Musikgeschäft (Dez Fafara von Devildriver kann sich das sicherlich erlauben). "Think before ink" sollte dabei wirklich beherzigt werden. Aber das ist meine persönliche Meinung. Letzten Endes sollte das jeder so handhaben, wie er/sie möchte.

Für mich (das dürfte vor allem meine Eltern freuen) stehen momentan keine weiteren Projekte an. Zwischen meinen einzelnen Tattoos sind aber auch schon immer Monate/Jahre vergangen, da die jeweilige Idee reifen musste. Wie gesagt: Think before ink. Ach ja, und wer auf der Suche nach einer guten Tätowiererin ist: Meine kann ich auf jeden Fall empfehlen: http://inkaholic-tattoo.de/ ;-)

12.11.13 14:05

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