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Mein Vegetarierdasein oder "Du isst meinem Essen das Essen weg!"

Tja, als Vegetarierin muss man sich schon so manche Sprüche anhören. Der mit dem "Du isst meinem Essen das Essen weg" hat allerdings schon einen ziemlichen Bart. Und auch das: "Komm schnell zu Tisch, Dein Essen wird welk" ist nicht mehr wirklich innovativ. Aber gut, ich meine, lassen wir den anderen ihren Spaß..

Ich bin ja sowieso der Meinung, dass hinter den Sticheleien und teilweise Anfeindungen oftmals ein psychologischer Abwehrmechanismus steht gegenüber Aspekten, die man selbst an sich eventuell nicht wahrhaben will. Ich bin überzeugt, dass es die wenigsten der Fleischesser gut finden, dass Tiere sterben müssen, damit sie ihrer Fleischeslust nachgehen können. Aber da man es halt mag, nimmt man es in Kauf. Da sind dann Personen wie ich, die immer wieder darauf pochen, was für eine Qual die heutige Fleischindustrie für die Tiere bedeutet und die einzige Alternative daraus (für mich zumindest) der Verzicht ist, natürlich Störfaktoren. Man will nicht immer mit der Nase darauf gestoßen werden, was man im Grunde weiß, aber doch so schön verdrängen kann...

Damit ihr mich nicht falsch versteht, ich halte mich nicht für einen besseren Menschen, nur weil es mir gelingt, den Verzicht (jetzt seit immerhin fast 20 Jahren) zu leben. Grundsätzlich ist das eine Gewissenssache. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob Geschmack und Lust an einem Stück Fleisch das Töten der Tiere rechtfertigt oder nicht. Wobei, da muss man ja noch einmal differenzieren, denn Töten ist nicht gleich Töten. Ich prangere die Massentierhaltung an. Die Tiere werden in unsäglichen Zuständen gehalten, haben keinen Platz, stehen in ihren eigenen Exkrementen, sehen häufig kein Tageslicht, sind krank, haben Schmerzen, werden zum Schlachten durch das halbe Land gekarrt, haben Angst (!!! Diesen Gesichtspunkt kann man nicht oft genug betonen, denn die Angst und die Panik werden hormonell gesteuert und der Verbraucher isst das am Ende alles mit).. Das, was in den Schlachthöfen passiert, bedarf wohl keiner näheren Bescheibung. Nur soviel: Ein Großteil der Tiere sind nur unzureichend, wenn überhaupt, betäubt und bekommt seine Schlachtung am eigenen Leib mit. Da braucht man keine Horrorfilme, der Mensch selbst ist schlimmer als seine Fantasie. Alleine wenn ich darüber schreibe, wird mir die Kehle eng und ich könnte heulen vor Wut und Mitleid mit den Lebewesen. Das muss definitiv ein Ende haben. Es muss nicht sein, dass alle Menschen deswegen zu überzeugten Vegetariern werden, aber ein bewusster Konsum und ab und zu Verzicht würden die Lage schon erheblich verbessern.

Und das geht jeden von uns an, egal ob Fleischesser oder nicht. Wir als Verbraucher haben die Möglichkeit, den Markt zu regulieren. Ich bin so froh, dass langsam ein Umdenken stattfindet und Reportagen wie die über Wiesenhof (die ich mir bewusst nicht angeschaut habe) die Einstellung der Menschen verändert. Ich will euch euer Schnitzel ja nicht madig reden, zumindest nicht komplett (*frechgrins*), aber es dürfte klar sein, dass der Hamburger bei McDoof keine Vergangenheit als glückliche Kuh auf einer grünen Weide hatte. Überlegt euch, was ihr selbst essen wollt. Qualität hat ihren Preis, das ist klar, aber auf der anderen Seite sollte man sich mal vor Augen führen, was es bedeutet, wenn man ein halbes Hähnchen für zwei Euro bekommt. Das heißt im Umkehrschluss, das Huhn ist gerade mal vier Euro wert. Dass es dann kein Qualitätsfutter genießen durfte und sicherlich nicht freudig scharrend durch den Dreck gerannt ist, daran besteht leider kein Zweifel.

Also, meine Freunde, das ist mein Appell an euch: Wenn schon Fleisch, dann bitte bewusst kaufen und konsumieren. Ihr tut nicht nur den Tieren, sondern auch eurer eigenen Gesundheit ein Gefallen. Und vielleicht gibt es ja den ein oder anderen unter euch, der es auch mal fleischfrei versuchen möchte. Ist übrigens gar kein Hexenwerk heutzutage, da es eine Vielzahl an Ersatzprodukten gibt. Und dass man davon nicht satt wird oder mit Mangelerscheinungen zu kämpfen hat, ist auch ein Ammenmärchen. Ich lebe zwei Drittel meines Lebens vegetarisch, stehe gut im Fleisch (haha) und habe nicht eine klitzekleine Mangelerscheinung. Deshalb: Traut euch und wenn es nur für einen Tag in der Woche ist. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung!

17.12.13 11:56

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